Südfrankreich: Auf den Hund gekommen

Keine 24 Stunden nach der Ankunft auf dem Flughafen Stuttgart und wohl dem schnellsten Urlaubswäsche waschen nebst bügeln und wieder einpacken aller Zeiten, kamen wir gerade rechtzeitig zum großen Regen mit unserem gepackten Wohnwagen im Elsass auf dem wohlbekannten Bauernhof der Familie Loos an. So stellen wir uns den Start in den Süden nicht vor, aber immerhin hatten es unsere Freunde Susanne, Steff und Hund Stella bisher geschafft, als Wohnwagencampingfrischlinge nicht ganz selbstverständlich. Sie warteten, mit einem Flammkuchen getröstet, seit gestern in ihrem perfekt und alleine aufgebauten Wohnwagen hier auf uns um dann gemeinsam weiter in Richtung Süden zu ziehen.

Auf dem Weg zu unserem ersten Ziel, der Ardeche, fanden wir nördlich von Lyon bei Bourg en Bresse einen wunderschön an einem See gelegenen Campingplatz. Extrem ruhig, sehr sauber und mit einem besonders gutem Restaurant auf dem Platz. Camping Louvarel in Champagnat bot aber noch mehr: Ein großer See mit abgetrenntem Badebereich und ein Hallenbad gehörten noch mit dazu. Gerade richtig um bei schönem Wetter einfach den AIDA Stress hinter sich zu lassen, allerdings Buffet und geregelte vier Mahlzeiten am Tag fehlten dann doch irgendwie. Verwöhnt wurden wir von dem extrem guten Campingplatz Restaurant. So blieben wir dann auch gleich zwei Nächte um dann an die Ardèche zu fahren. Zwei Dinge waren für uns dieses Mal ebenfalls neu: Der Campingplatz musste Hunde akzeptieren – in Frankreich aber kein Problem – und auch die Fahrpausen richteten sich nach Stella.

An der Ardèche wollten wir noch im Rhônetal einen Campingplatz suchen um dann den Rest nur mit dem Auto zu erkunden. Material schonen war angesagt, da es im Tal der Ardèche zum Teil doch sehr eng werden kann. In Bourg-St-Andéol bei Pierrelatte fanden wir einen idealen Campingplatz (Le Lion) der, dicht bewaldet, sehr große Stellplätze mit doch auch sauberen Sanitäranlagen und freies WiFi bot. Am nächsten Tag ging es dann über Vallon Pont d’Arc die Ardèche hinauf, allerdings mit dem Auto und einem Badestopp am Pont d’Arc. Mit einem Kaffee gestärkt fuhren wir an der Ardèche entlang wieder Richtung Rhônetal. Mit fantastischen Ausblickpunkten über die immer größer und tieferliegende Schlucht. Für den nächsten Tag blieb dann noch ein Bummel durch Bourg-St-Andéol und mit einem Einkauf die Auffrischung unserer Vorräte.

Cassis bzw. La Ciotat sollte die nächste Ecke sein, die wir erkunden wollten. Im Campingführer gefiel uns der Camping de Ceyreste in Ceyreste gleich am besten und los ging es. Der Ort war schnell gefunden, dass der Platz aber ganz oben am Berg liegt und die Anfahrt schmal und über 1,5 Kilometer mit 15 % Steigung bergauf geht stand im Campingführer nicht drin. Hier dürften schon einige Kupplungen gelitten haben. Dass es dann auf dem Platz selber noch viel enger und steiler wurde, gab einem Teil von uns den Rest. Steff und Rainer blieben gelassen und nach der Installation genossen wir bei einem Kaffee den Blick aufs Mittelmeer.

Sehr sauber und ruhig mit Schwimmbad ließ es sich auch hier aushalten. Am nächsten Tag ging es auf die Route de Crête, einer wunderschönen Panoramastraße zwischen Cassis und La Ciotat. Viele Aussichtspunkte laden hier auf der 15 Kilometer langen Strecke zum Halten ein. Der Abschluss in Cassis war leider ohne Besichtigung der Altstadt und des Hafens – es war absolut kein Parkplatz zu bekommen. Also ging es zurück zum Campingplatz und dann an den Strand von La Ciotat. Bedenken gab es dann am Tag der Abfahrt: Kommen wir jemals wieder runter von diesem Platz? Als Paukenschlag kam erst einmal Hagel gefolgt von einem heftigen Regenschauer, dieses Wetter war uns bereits von Petra und Veit aus Richtung Atlantik angekündigt worden, dauerte aber nur eine Stunde. Durchweicht, aber wieder bei Sonnenschein, landeten wir heil auf der Autobahn und bereits eine Stunde später in Fréjus auf dem Campingplatz Plage d’Argens.

Plage d’Argens und Bruno

Es wird seit vielen Jahren immer schwieriger einen schönen Platz an der Côte d’Azur direkt am Meer zu finden. Also sind Kompromisse angebracht. Der von uns gewählte Platz „Plage d’Argens“ trennte ein Naturschutzgebiet vom Strand, also 600 m zu laufen, hatte aber immerhin einen Hundestrand. Die Aufteilung dort ging wie folgt: erst der Kitestrand, dann die Nackerten gefolgt von den Hunden (alle 200 m Strand für sich) und schließlich die „Normalen“ mit 1200 m feinem Sandstrand.

Unglücklich waren wir aber mit dem von der Rezeption zugewiesenen Stellplatz. Direkt am Chemieklo, am alten Waschhaus und der Umwälzpumpe vom Schwimmbad – zuzüglich der nahen Bundesstraße und dazu noch winzig. Nein danke. Also nach Baden am Strand, Pizza essen und der ersten Nacht zogen wir in eine wesentlich schönere Ecke auf dem Campingplatz um – eine Premiere. Nun hatten wir große Plätze, ein neues und tolles Waschhaus und eine wesentlich leisere Bundesstraße. Nach einem Tag mit Relaxen, Baden und Einkaufen folgte am dritten Tag unser Urlaubshighlight – Essen in Lorgues bei Bruno (www.restaurantbruno.com) dem Trüffelpapst schlechthin.

Für 76 EUR bekommt man hier ein 5 Gänge Menü, das eigentlich nur aus Trüffeln besteht. Mehr findet man eigentlich auch auf der Speisekarte nicht. Man kann nur zwischen drei verschiedenen Trüffelarten wählen. Bekommt man für 76 EUR den einfachen Sommertrüffel (tuber aestivum), so kostet das Menü mit schwarzem französischem Trüffel (tuber melanosporum) 160 EUR. Begonnen hatte das Menü mit einem Gruß aus der Küche. Einem Toastbrot überhäuft mit Trüffeln, gefolgt von einer Blätterteig-Pastete in der ein tischtennisballgroßer Trüffel versteckt war umrahmt von einem feinen Sößchen. Nächster Höhepunkt eine gebackene Kartoffel vergraben unter einem Berg von Trüffeln und einer Trüffelsahnesoße. Zum Hauptgang kam ein fünf Stunden gegartes und mit Honig karamellisiertes Milchlamm, natürlich unter einem Berg Trüffel. Das Pre-Desert bestand aus einem Trüffelsahneeis – einer Kreation von Benjamin Bruno dem Juniorchef. Dieser stellte sich auch bei uns persönlich vor und unterhielt sich mit uns ein Weilchen. Witziger Nebenaspekt: seine Freundin kommt wie Moni aus Köln. Als Nachtisch gab es den einzigen Gang ohne Trüffel. Eine Eiskreation mit Schokolade, Feigen- und Aprikosenmus. Was nun nicht fehlen durfte war ein kleiner Espresso. Zu diesem wurden dann noch jeweils zwei Petit Fours gereicht – eines mit Erdbeeren und eines mit Schoko, Pistazien und einer Himbeere. Lecker!

Insgesamt dürften so um die 3 – 4 tischtennisballgroßen Trüffel in dem Menü verarbeitet worden sein. Also vom Preis-Leistungs-Verhältnis unschlagbar. Wer hin möchte, sollte unbedingt reservieren, denn mehr als 60 Plätze stehen nicht zur Verfügung und selbst unter der Woche zur Mittagszeit war bei uns kein Platz mehr frei – somit waren wir froh über unsere Reservierung. Gut gefüllt, aber nicht übersättigt ging es zurück zur Küste. Ohne Abendessen gingen wir gleich zum Kartenspiel über. Hunger hatte bis zum nächsten Morgen keiner mehr.

Die fünf Tage gingen hier schnell vorüber. Einkaufen – die Mädels auch gleich richtig viele Klamotten, baden, kochen, essen …

Saint-Rémy-de-Provence und die liebe Kunst

Nur wegen Susanne fuhren wir nach Saint-Rémy-de-Provence, wollte sie sich doch unbedingt die Kunstausstellung „Carrière de lumière“ (www.carrieres-lumieres.com) in Le Baux-de-Provence ansehen. Die anderen also im Herdentrieb hinterher – und es war atemberaubend. In einem ehemaligen Steinbruch wurde eine riesigen Halle (ca. 20 Meter hoch und ca. 150 Meter tief) mit drei quaderförmigen Säulen als Leinwand benutzt. Selbst der Boden wurde mit eingebunden. Die immer wechselnden Bilder wurden mit klassischer Musik unterlegt. Die Besucher die frisch reinkamen blieben erst einmal fünf bis zehn Minuten stehen und waren, wie wir, ergriffen von dem Gesamteindruck. In irgendeiner Top 10 Liste – was man unbedingt in Frankreich gesehen haben muss – ist diese Ausstellung auch aufgeführt und vollkommen zu Recht. Man verlor Raum und Zeit in diesem begehbaren Kunstwerk. Da Vinci, Raphael und Michelangelo waren das Thema der aktuellen Ausstellung, ich denke aber es ist egal was gezeigt wird. Die Umsetzung ist das Faszinierende.

Der Campingplatz Le Parc de la Bastide war auch sehr gepflegt, sauber und ruhig und ca. 1,5 km von der Innenstadt von Saint-Rémy-de-Provence entfernt. Auf der Rückfahrt von Le Baux-de-Provence dorthin hielten wir noch an einer römischen Ausgrabungsstätte (Villa Glanum), die hatte natürlich ausgerechnet montags Ruhetag und schlenderten zum Wohnhaus und Atelier von van Gogh. Eigentlich sollte es nun in die Innenstadt gehen, aber Steff fuhr einfach zum angrenzenden Hotel Villa Glanum samt Restaurant. Im römischen Stil eines Landgasthauses ganz toll angelegt und mit einem witzigen Koch – beim Kaffeetrinken unterhielt er den Nachbartisch mit seinen Geschichten. Das Essen sah so lecker aus, dass wir direkt für den Abend einen Tisch bestellten. Am Abend schallten dann lauter gesungene Arien aus der Küche … Die Menüs waren sehr köstlich und mit 24 EUR bzw. 29 EUR für drei Gänge auch nicht zu teuer.

Vorher ging es aber nun tatsächlich noch durch die Innenstadt. Ähnlich wie in Manosque kann man die historische Innenstadt umfahren und im Inneren eigentlich nur zu Fuß durchlaufen. Viele kleine Geschäfte und Lokale gestalten dies sehr kurzweilig. Übrigens kann man auch das Geburtsthaus von Nostradamus besuchen. Er wurde hier in Saint-Rémy-de-Provence geboren. Nach dieser „anstrengenden“ Tour gab es zur Belohnung noch Crêpes bzw. Eisbecher.

In dieser Ecke der Provence waren Moni und ich nun zum ersten, bestimmt aber nicht zum letzten Mal.

Nach sehr unterhaltsamen zwei Tagen fuhren wir nochmal zum Campingplatz am See in Champagnat-Louvarel. Die Lage und das Campingplatzrestaurant luden zum Abschied von Susanne, Steff und Stella ein. Also nochmal den Hund durchs Wasser gejagt und danach ins Restaurant – am nächsten Morgen trennten sich unsere Wege. Während die Drei heimfuhren ging es für uns nach Luxemburg, für Rainer sogar das erste Mal.

Luxemburg – um 16 Uhr auf dem Campingplatz Bon Accuueil in Alzingen angekommen und gleich installiert besuchten wir um 17 Uhr bereits die Innenstadt und fuhren eine Runde mit dem Sightseeingbus – nur mit uns als Gäste. Immerhin konnten wir so uns einen schnellen Überblick über die 110 000 Einwohner große Hauptstadt machen. Mehr war für einen One-Night-Stopp aber auch nicht drin.

Letzter Campingplatz war wieder einmal Camping Berger in Köln. Monis Onkel feiert am Samstag seinen 80. mit kompletter Familie. Thomas und Sebastian stießen dann ebenfalls dazu und unser Wohnwagen wurde bis an seine Kapazitätsgrenze ausgereizt.

Somit endet nun die Tour durch Südfrankreich mit unseren Wohnwagen-Greenhorns. Wir hatten viel Spaß, tolle, lustige aber auch abenteuerliche Erlebnisse und es schreit gerade nach einer Fortsetzung – mal sehen ob es dazu kommt.

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