Irgendwas mit Meer!

Nachdem alle mit Volldampf aus dem Job kamen und Rainer sich noch eine Woche Auszeit im Krankenhaus gegönnt hatte, beschlossen wir es mit dem ersten Stopp nicht gleich zu übertreiben. Eine gute Entscheidung. Bereits um 14 Uhr waren wir nach 350 Kilometer direkt an der Mosel auf einem schönen, sauberen und ruhigen Campingplatz in Villey-le-Sec angekommen (http://campingvilleylesec.fr). Hier blieben wir dann auch die ersten beiden Nächte, mit ein wenig Einkaufen und der Besichtigung des mittelalterlichen Städtchens Toul samt der 700 Jahre alten Kathedrale St-Étienne (https://de.wikipedia.org/wiki/St-%C3%89tienne_(Toul)) bevor es weiter nach Blois ging.

Die Mosel tauschten wir hier gegen die Loire ein (Camping Val de Blois https://www.camping-loisir-blois.com). Allerdings war es mit über 500 Kilometer und somit einem kompletten Tag auf der Autobahn auch ein anstrengendes Stück Fahrt, zudem mit 76 EUR Maut-Gebühren auch nicht gerade günstig. Zur Belohnung ging es am nächsten Tag in einen Zoo. Hier im Nirgendwo ist einer der fünf besten Zoos weltweit (in seiner Größe) mit Pandas, Koalas, weißen Tigern und Löwen. Die Anlage des Zoo Parcs de Beauval (https://www.zoobeauval.com/) war überraschend groß und wirklich sehr hübsch angelegt. Zwar waren vor allem die Raubkatzen noch in älteren Gehegen untergebracht, aber der Park insgesamt zeigt in die richtige Richtung und bestand aus ca. 75 % neuen Anlagen.

Für den nächsten Tag nahmen wir uns das Schloss Chambord vor. Immerhin sind wir ja auf der Fahrt schon an vielen Schlösser der Loire vorbeigezogen und die gegenläufige Treppe, wahrscheinlich erbaut, zumindest geplant, von Leonardo da Vinci, wurde bisher von uns noch nicht besucht. Die Säle, die man besichtigen konnte, waren so wie in vielen Schlössern die wir bereits besucht hatten, aber die Treppe war echt klasse. Immerhin konnten Moni und ich mit Susanne jeweils auf einer Treppe nach unten laufen und wir begegneten uns nie. Der Blick durch die Fenster zeigte aber, dass der gegenüber auch auf dem Weg nach unten war. Nach einem kurzen Blick noch in die Parkanlage, ins Kutschenmuseum und einem Kaffee zog es uns aber wieder auf den Campingplatz.

Nun aber sollte es endlich weiter zur Küste gehen. Ziel: Batz-sur-mer mit seinen Salinen. Nachdem wir bisher sehr viel Glück mit den Campingplätzen hatten, mussten wir hier schon relativ viele anrufen und landeten dann aber schließlich doch direkt am Meer. Der Campingplatz La Govelle nahm uns noch auf um danach wieder voll zu sein. Das Betreiberehepaar hier ist wirklich sehr nett und die Lage traumhaft. Somit blieben wir auch gleich drei Nächte. Am Abend besuchten wir das sehr gute französisches Restaurant „Hoa“ und genossen ein Drei-Gänge-Menu. Das tat nach der Fahrt richtig gut! Mit Batz-sur-mer, Le Croisic und seinem Hafen, Salinen, einem Markt und einer Windmühle gab es auch genug zu besichtigen. Am vierten Tag sollte die Welt untergehen, was sie dann auch tat. Regen, Regen, Regen – also ein guter Tag um weiter zu fahren.

Mehr Meer geht nicht.

Der Gemeindecampingplatz von Étel (https://www.camping-etel.fr/) liegt direkt am Meer bzw. an einem kleinen Fjord und das für einen Hammerpreis. 15.50 EUR pro Nacht inkl. Strom und Kurtaxe. Duschen und Klos etwas älter, aber stehts sauber. Zudem noch sehr gut gelegen für Ausflüge nach Carnac, Quiberon und Trinité-sur-mer.

Der Regen begleitete uns aber noch von der Fahrt. Also Markise raus und Vorzelt aufgebaut. Dieses sollten wir in der Nacht noch bereuen, zum Regen gabs noch Sturm. Ein kleiner Riss im Seitenteil und ein Not-Abbau um 3:45 Uhr waren die Folgen. Mit einer 50 Kilo Moni hätte das Markiseeinholen bei Böen von 60 km/Stunde nicht funktioniert. Am nächsten Morgen war allerdings der Spuk vorbei und seither haben wir schönes und sonniges Wetter.

Müde erkundeten wir die Umgebung des Campingplatzes. Begeistert schauten wir den Muschelsammlern bei Ebbe zu. Sie holen jeden Tag eimerweise Muscheln aus dem Meer. Strand, Wasser und Sonne – was will man mehr.

Gut erholt ging es am zweiten Tag zuerst nach Carnac (http://www.menhirs-carnac.fr/). Dort sind wir zunächst in ein Touristenzügle eingestiegen. Die Runde ging durch die Orte Carnac, Trinité-sur -mer und dann entlang der Hinkelsteinfelder. Der Zug schwankte mächtig und Susanne kämpfte mit Seekrankheit. Da man schlecht fotografieren konnte, beschlossen wir die Runde mit dem Auto und diversen Zwischenstopps nachzufahren. Als erstes ging es zu den prähistorischen Hinkelsteinen, die dort in Reihen stehen. Die Reihen, die ca. 7.000 Jahre alt sind erstrecken sich über drei Kilometer und enthielten ursprünglich über 3000 Steine, die zwischen 0,5 und 4,0 m hoch sind. Die größten Steine befinden sich immer am westlichen Ende. Das ursprüngliche Ausmaß betrug vermutlich 8 km, und die Anlage schloss auch die Monumente von Le Petit Menec, St.-Barbe und Kerzerho mit ein.

Weiter ging es zu einem Großsteingrab, ein sogenanntes Dolmen und somit ein ebenfalls prähistorisches Megalithgrab und einem Tumulus, einem begehbaren Erdhügelgrab zum Glück mit einem Cappuccinostopp in einem indischen Restaurant, was es nicht alles in Frankreich gibt.

Nicht genug der alten Steine besuchten wir noch den Giganten. Einen sechs Meter hohen Menhir (Hinkelstein). Trotz mehrerer Versuche gelang es Moni nicht ihn umzuschubsen. Obwohl sie doch Karneval immer Obelix ist.

Genug der Prähistorik. Ab zum Hafen von Trinité-sur-mer (https://www.france-voyage.com/frankreich-tourismus/trinite-mer-548.htm). Bei den tausenden von hauptsächlich Segelbooten lagen noch drei Hightech-Renn-Trimarane, die natürlich alle Blicke auf sich zogen. Riesig – mit einer Länge von über 30 und einer Breite von 23 m. Gestärkt mit Chichi, eine Art Berliner ohne Füllung in Stangenform, die wir noch in Nutella dippten ging es auf die Halbinsel Quiberon (https://www.bretagne-reisen.de/reiseziele/die-10-reiseziele/der-sueden-der-bretagne-golfe-du-morbihan/halbinsel-quiberon/). Dort waren wir vor allem von der Côte Sauvage, der wilden Küste, begeistert. Hier reichten die Wellen sogar zum Surfen, was auch gleich von vielen genutzt wurde. Ganz beeindruckt von den vielen Eindrücken ging es dann nach Hause auf den Campingplatz zu einer Sommerrollen-Orgie, die waren so „grässlich“, dass wir sie mit Wein herunterspülen mussten.

Erwähnenswert ist auch, dass wir trotz der Touristenströme überall den letzten freien Parkplatz, den auch noch in exzellenter Lage ergatterten. Und am Rande: Fast alle bretonischen Orte habe zwei Ortsschilder – eins in französischer und eins in bretonischer (breizh) Sprache. Überraschend ähnlich in der Aussprache und doch ganz anders geschrieben …

Am Meer auf den Spuren von Kommissar Dupin

Von Étel bis nach Concarneau bzw. auf den Campingplatz Kérentérec nach la Forêt-Fouesnant war es nicht weit. In ca. 90 Minuten waren wir schon da. Leider lag der Platz nicht, wie gedacht, am großen Sandstrand sondern an einer Bucht mit vielen Steinen und wenig Wasser und die Plätze waren nicht einfach zum Anfahren aber er hatte super Duschen und lag ideal für unsere geplanten Ausflüge. Zum großen Strand ging es halt mit dem Auto.

Am nächsten Tag ging es zur Ville close in Concarneau, einer historischen Altstadt umschlossen von einer großen Festungsanlage. Hunderte von Läden mit meist kulinarischen Versuchungen nebst den normalen Touri-Angeboten. Immerhin hatten wir unseren Platz fürs Mittagessen schon gebucht und konnten daher den Verlockungen wiederstehen.

Ein geplanter Höhepunkt war nun der Besuch des Restaurant L´amiral, das Stammlokal von Kommissar Dupin, das direkt an der Altstadt liegt. Das Tagesessen war wirklich gut und mit Nachtisch und Kaffee für 15.50 EUR noch erschwinglich. Beim Kaffee spürten wir regelrecht einen Ermittlungseifer und die Lösung des nächsten Falls.

Eine halbe Stunde entfernt: Pont-Aven, ein Künstlerdorf in dessen Hotel ebenfalls ein Mord von Dupin aufgeklärt wurde. Ansonsten war es dort zwar hübsch, aber sehr überschaulich und wir beschlossen noch die Stadt Quimper, ebenfalls ca. eine halbe Stunde entfernt zu besuchen. Immerhin waren wir damit schon an ein paar Handlungsorten der bisher 8-teiligen Krimiserie.

Wie bisher immer in diesem Urlaub bekamen wir auch hier den einen freien Parkplatz direkt in der ersten Reihe. Die wenigen Schritte durch die Fußgängerzone zur Kathedrale waren also auch kein Problem. Nach der Besichtigung dieser Kirche, die übrigens schief gebaut wurde (von hinten an der Orgel bis vor zum Altar macht sie eine sehr deutliche Kurve) ließen wir uns auf dem Kirchplatz im Café Finistère zu einem Cappuccino nieder. Deutlich gestärkt liefen wir noch durch die Altstadt. Hier gibt es noch viele Häuser aus dem Mittelalter und eine große Markthalle im Zentrum. Über den dortigen Fluss Odet gehen eine Vielzahl von Brücken, die alle dicht mit Blumen behangen waren. Ein wirklich schöner Anblick.

Am Meer und irgendwie doch nicht

In Saint-Anne La Palud war außer Straßensperrungen wegen des katholischen Festes des Meeres (viele Prozessionen und Gottesdienste), einem suboptimalen Campingplatz mit wenig Handyempfang und staubige Straßen nichts los. Selbst das Meer war durch hohe Hecken der Stellplatzparzellen gut abgeschirmt. Somit klapperten wir unsere geplanten Ausflüge ab und zogen nach zwei Tagen nach Huelgoat in den Wald, wo Miraculix sein Druidentreffen gehabt hatte und Misteln schnitt. Immerhin ist der Campingplatz Camping la Rivière d’Argent (https://www.larivieredargent.com/) viel schöner und wir stehen auch direkt an einem Bach, aber der Handyempfang hat sich noch mehr verschlechtert. Wifi gibt es auch keines am Platz – also mediale Pause für zwei Nächte.

Nun aber noch zu unseren Ausflügen in Sainte-Anne. Zuerst ging es auf dem Weg zur Pointe du Van zu einer kleinen aber sehr netten Mühle. Der Mühle von Keriolet. Mit Glück kamen wir gerade noch vor der Mittagspause rein. Da sie noch voll in Betrieb ist, konnte man die einzelnen Schritte der Mehlproduktion gut nachverfolgen. Direkt im Laden nahmen Susanne und Steff auch gleich eine Mehlprobe mit. An dem drückend heißen Tag tat es gut, dass die Mühle direkt in einem kleinen Wäldchen nahe der Küste liegt. Die angrenzende Heidelandschaft entlockte Steff sogleich auch ein Witz: Ein nackter Zwerg ging durch die Heide und sagte: lass das Erika.

Weiter fuhren wir der Küste entlang zur Pointe du Van. Mit einer Kirche an den Klippen konnten wir aufs tosende Meer und auf die gegenüberliegende Pointe du Raz mit ihren vorgelagerten zwei Leuchttürmen blicken. Innerhalb weniger Kilometer stehen hier vier Leuchttürme im Meer und nicht wie üblich an der Küste. Die Nase im Wind ging es mit der Sonne auch ganz gut. Weiter folgten wir der Straße zur Bucht der verlorenen Seelen (Baie des Trépassés). Hier kann man an einem ewig breiten und großen Strand nur auf wenigen Metern schwimmen. Der Rest der Bucht war nicht überwacht, dies störte aber die zahlreichen Surfer nicht. Hohe Wellen brechen hier herein und auch die Unterströmung darf man nicht unterschätzen. Die Baywatch passte aber auf als unsere Mädels in das 16 Grad kalte Wasser stiegen und die Wellen brechen ließen. Nass, unterkühlt und überglücklich wärmten sie sich am Strand im Sonnenschein wieder auf.

Auf dem Weg zur Pointe du Raz kamen wir noch an einem sehr liebvollen Café vorbei – dem „Café vu mer“. Café, Buchladen, Kunstgeschäft und Papiermanufaktur – alles in einem. Kleine Snacks und Kuchen verlockten zu mehr als einem Cappuccino. Somit war das nächste Ziel vergessen und wir fuhren gemütlich über malerische Örtchen zurück auf den Campingplatz.

Immerhin waren die Duschen und die Toiletten auf dem Campingplatz hervorragend. Nachdem wir erfrischt waren, gabs noch ein zusammengewürfeltes Abendessen. Steff hatte sich ja bereits von diesem Platz direkt nach der Ankunft verabschiedet, deshalb zogen wir nach zwei Übernachtungen weiter.

Nicht mehr am Meer – dafür mitten im Wald

Das Finistère machte hier in Huelgoat – dem Wald der Druiden aus Asterix und Obelix, ja genau da, wo Miraculix entführt wurde, seinem Namen alle Ehre. Mitten im dunklen Wald, und hier ist es wirklich extrem dunkel, waren nicht nur die Attraktionen, sondern auch unser Campingplatz (Camping La Rivière d’Argent – www.lariveriadargent.com). Nachts sah man die Hand vor Augen nicht, da der Campingplatz nicht beleuchtet war. Idyllisch am Bach gelegen hatten wir zwei wunderschöne Stellplätze direkt an dem Bach und für unsere geplanten Ausflüge einen sehr Zentralen dazu.

Über eine Mühle ging es in direkt in ein Flusstal mit einer Teufelsgrotte (Grotte de Diable) und weiter zu einem tonnenschweren Stein, den man wackeln lassen kann. Der Roche Tremblante war wirklich sehr beeindruckend. Mit etwas Kraft konnte man, rhythmisch eingesetzt, den Stein in ein deutlich sichtbares Schwanken bringen. Eine Crêperie am Fuße des Roche Tremblante lud uns nach dem Kraftakt zum Verweilen ein und anschließend ging es weiter zum Champignon, einer Gesteinsformation die Original wie der Pilz aussieht.

Weiter im Wald, wohl sehr viele Jahrzehnte naturbelassen und daher auch so finster, stießen wir dann auf die Höhle des Artus und die Wildschweine. Diese waren natürlich auch „nur“ Steine, aber mannshohe Brocken. Stella interessierte sich eher für den kleinen See davor. Sie war kaum zu bremsen. Raus, rein – mit oder ohne Stöckchen, Hauptsache kein salziges Wasser, von diesem hatte sie die Schnauze voll, im wahrsten Sinne des Wortes. Ein kleiner Wasserfall und der See der Elfen rundeten den Tagesausflug ab.

Über sehr kleine und enge Straßen, meist nicht mal mit einem Mittelstrich versehen, zog es uns wieder an die Küste. Dieses Mal an die rosa Granitküste, die schon am Ärmelkanal liegt. Auch hier landeten wir in Trévou-Tréguignec auf einem sehr gepflegten Campingplatz (Camping Le Mât – www.campinglemat.com). Direkt am Meer, mit beheiztem Schwimmbad und ebenfalls sehr ruhig gelegen. Selbst Stella schläft hier bis um 9 Uhr. Passt also alles, vor allem, da wir ja ein paar Tage bleiben wollen.

Am ersten Abend blieb die Küche kalt und es zog uns in eine Crêperie – idealerweise direkt neben dem Campingplatz. Eine wirkliche gute Küche ließ unsere Bäuche voll werden. Immerhin wurde es ja auch mal Zeit Crêpes zu probieren, wir waren ja lange genug bereits in der Bretagne, der Hochburg der Crêperien.

Abends sind Moni und Susanne noch mit Stella Gassi gegangen. An der Strandpromenade wurde Stella plötzlich von einem „einheimischen“ Setter verfolgt. Er ließ sich nicht abschütteln und wir wollten ihn nicht bis an den Wohnwagen mitnehmen. Er hatte aber glücklicherweise Namen und Telefonnummer auf dem Halsband stehen. Moni rief dann beim Besitzer an, der auch nach kurzer Zeit kam und ihn einsammelte. Kommentar: „Danke“ und „Der haut immer ab.“

Am nächsten Tag ging es zu dem Fotomotiv der Bretagne schlechthin. Vorher hatten wir allerdings noch ein negatives Highlight. Unter Moni krachte noch ein Stuhl durch. Immerhin geht es gerade noch so auf ihm zu sitzen, aber auf dem letzten Campingplatz wird er sicherlich entsorgt.

Auf der Halbinsel Plougrescant, an der Pointe du Château, steht ein Haus zwischen zwei riesigen Granitfelsen. Fehlte es viele Jahre in keinem einzigen Bretagneführer, so hat sich die Besitzerin inzwischen dagegen gerichtlich gewehrt und stellt auch immer ein Auto vor die Haustüre, obwohl sie selbst, hauptsächlich in Paris lebend, nur wenige Tage im Jahr dort verbringt. Daneben sind weitere sagenhafte Felsformationen, die von den Gezeiten geformt und von uns erklettert wurden. Weiter ging es in die mittelalterliche Stadt Tréguier, wo einst Ernest Renan geboren wurde. In der Kathedrale Saint-Tugdual werden in einem goldenen Schrein die Gebeine von dem heiligen Tugdual und des heiligen Ivos bewahrt. Rund um die Kathedrale befinden sich zahlreiche Fachwerkhäuser, noch vor dem Jahre 1500 erbaut und somit aus dem Mittelalter. Natürlich animierte uns die reizvolle Atmosphäre zu einem Cappuccino-Stopp.

Steine, Steine, nichts als alte Steine – diesmal in rosa. Bei schönstem Wetter gings tags darauf an die rosa Granitküste. Perros-Guirec und die dazugehörigen Strände waren unser erster Fotostopp bevor es Kilometer lang zu Fuß an der Küste bei Ploumanac’h über Stock und Stein ging. Eine bizarre Landschaft in rosa. Der Granit hat hier, vor allem im Sonnenschein, diese ungewöhnliche Färbung. Leider hatte ein wenig die Brandung gefehlt, da halt gerade mittags Ebbe ist und die Flut erst wieder gegen Abend kommt. Trotz Nachsaison war relativ viel los und wir wollten uns gar nicht vorstellen, was hier im Sommer los ist. In den Felsen klettern, Möwenangriffe auf essende Touristen beobachten und die frische Seeluft machten es zu einem schönen, aber anstrengenden Tag. Danach war die Lust auf noch mehr alte Steine ziemlich gering. Im alten Hafen von Tregastel nahmen wir also erst einmal einen Cappuccino zu uns bevor es noch auf die Île Grande ging. Hier war wieder in den Steinen klettern, verbunden mit einer tollen Aussicht, angesagt. Ein altes Dolmengrab (Steinplattengrab) lag auch noch auf dem Weg bevor wir zum Schluss noch eine Vogelstation besuchten und auf dem Rückweg beinahe ein altes Gallierdorf. Dies war aber mehr ein Minieuropapark und dafür wollten wir dann keinen Eintritt mehr bezahlen und legten das Geld lieber abends in der Crêperie in der Nähe des Campingplatzes an – eine gute Entscheidung.

Rennes, Orléans, Troyes, Luxemburg und Völklingen – eine mehr als gemütliche Rückreise

Bewusst entschieden wir uns für eine zeitlich längere Rückreise mit mehreren Stopps und somit wenigen Kilometern am Tag zu fahren. So maximal 300 Kilometer auf einer Etappe war das Ziel.

Erstes negativ Highlight – oder heißt es dann Downlight? – war Rennes (Camping Gayeulles – www.camping-rennes.com). Die liebloseste und heruntergekommenste Stadt auf unserer Rückreise – aber mit viel Potenzial. Jede Menge Fachwerkhäuser in der Altstadt, aber eine letzte Renovierung eher im 19. Jahrhundert. Graffitis und Plakate schmückten die Erdgeschosse der Häuser und zur Krönung, wenn das Haus nicht leer stand, fast nur Fastfoodläden. Wir waren sehr enttäuscht. Auch die Kathedrale war mehr so ein naja wie ein Ahhh oder Ohhh.

Also frohen Mutes weiter nach Orléans, die Stadt der Jungfrau Jeanne d’Arc (Camping L’Isle aux Moulins – www.campingjargeau.com). Sie wohnte tatsächlich ein paar Monate dort und das Haus steht nach einem Wiederaufbau an fast der gleichen Stelle. Es wurde ein paar Meter nach vorne versetzt um sich an die Häuserfront anzuschließen. Jeanne d‘Arc ist allgegenwärtig in Orléans. Angefangen hatte unsere Tour aber mit einem Parkplatz direkt unter der Kathedrale. Diese überraschte, da sie prächtig geschmückt war mit Wappen und Wimpeln, gerade so, als ob gleich die Kreuzritter zur letzten Messe einziehen – sehr schön anzuschauen. Jeanne d’Arc hat hier übrigens ihre eigene Kapelle in der Kathedrale.

Zum schnellen Überblick fuhren wir eine Runde mit dem Touristen-Zügchen. Es überraschte die relativ vielen „Neubauten“ aus der letzten Jahrhundertwende so um 1850 bis 1920. Aber auch Fachwerkhäuser und somit mehrere hundert Jahre älter waren hier noch vertreten und anders als in Rennes auch herausgeputzt. Nach einem Spaziergang zum Place de Marnier mit einer lebensgroßen Reiterstatue von Jeanne d’Arc und dem unvermeidlichen Cappuccino ging es noch zu dem Haus eines Stadthalters, in dem sie ein paar Monate wohnte.

Zufrieden mit der Welt und angetan von Orléans planten wir noch einen spontanen One-Night-Stopp in Troyes (Camping de Troyes – www.troyescamping.net). Hier reichte es uns nach dem Abendessen auch noch zu einem Besuch in der historischen Altstadt und der Kathedrale (angesichts der Uhrzeit aber nur von außen). Auch dieser Stopp hat sich so richtig gelohnt. Windschiefe Fachwerkhäuser – eines am anderen. Man muss befürchten, wenn eines auseinanderfällt reißt es alle anderen gleich mit.

Eine Premiere gab es dann mit unserem letzten geplanten Campingplatz. Eine abenteuerliche Anfahrt mitten durch ein hässliches Industriegebiet endete mitten im finsteren Wald auf einem ziemlich heruntergekommen Campingplatz (Camping du Felsberg). Tatsächlich haben wir gleich herumgedreht. Keine Nacht wollten wir hier bleiben. Zum Glück gab es auf der deutschen Seite keine 45 Minuten entfernt einen netten Campingplatz direkt an der der Nied (Campingplatz Siersburg – www.campingplatz-siersburg.de). Hier suchten wir uns zwei Stellplätze direkt am Wasser aus.

Nach einer ruhigen Nacht besuchten wir das Weltkulturerbe Völklinger Hütte. Tonnen von sehr beeindruckendem rostigen Stahl präsentierten sich uns. Über einen kilometerlangen Rundweg kann man hier noch alle wichtigen Orte der Stahlherstellung besichtigen. Von der Erzanlieferung bis zu den Hochöfen, Lokomotiven samt Güterwagen, Gasturbinen, Pausenhäuschen mit Frischluftzufuhr – alles noch da. Man kann richtig noch den harten Arbeitsalltag spüren, dem die Arbeiter hier ausgesetzt waren. Nur die Sonderausstellung über die Zwangsarbeiter war sehr bedrückend, obwohl immerhin „nur“ 263 von ihnen gestorben sind und fast 12.000 überlebten.

Nach einer kurzen Kaffeepause entschlossen wir uns noch kurz Luxemburg zu besuchen. Tanken, Kaffee und Zigaretten machen es lohnenswert den Abstecher zu unternehmen. Auto voll (Tank und Kofferraum) ging es weiter zur Saarschleife. Susanne und Steff waren hier schon einmal und führten uns zu einem tollen Aussichtspunkt mit einem sagenhaften Blick über die komplette Schleife der Saar.

Mit einem erfüllten Tag ging bei einem Abendessen im Fährhaus an der Saarschleife unser gemeinsamer Urlaub nun zu Ende. Morgen noch ein gemeinsames Frühstück und Susanne und Steff fahren direkt nach Hause. Wir gehen noch nach Bad Liebenzell um in der dortigen Therme den Urlaub ausklingen zu lassen.

 

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