Winter und Camping passt nicht zusammen. Mit dieser Einstellung waren wir bisher glücklich doch nun hat sich alles geändert – wir waren in der Schweiz im Schnee und das bei bis zu minus 15 Grad Celsius und es war traumhaft schön.

Begonnen hat eigentlich alles damit, dass in Frankreich immer noch die Autos angezündet werden und dies bis zu 200 pro Nacht, obwohl davon in unserer Presse nichts zu lesen, hören bzw. sehen war. Also beschlossen wir über die Schweiz nach Südfrankreich in die Nähe von Nizza, genauer nach Antibes zu fahren. Ein Campingplatz mit Hallenbad und Joggingbahn war auch schnell gefunden, auch ein Platz zu bekommen war kein Problem. Dann fingen die Gedanken an zu kreisen: Schweiz – Schnee – Sylvester – auch schön. Doch wohin, den Weg nach Südfrankreich wollten wir uns immer noch offen halten und peinlich, peinlich wir kannten uns bis zu diesem Zeitpunkt noch überhaupt nicht aus in der Schweiz. Nach einigen Recherchen unter Schweizkundigen legten wir Graubünden als Zielgebiet fest. Lenzerheide hatte aber keinen Stellpaltz mehr frei, so entschieden wir uns für Chur, die älteste Stadt in der Schweiz (http://www.chur.ch/).

Der dortige Campingplatz hatte noch Kapazitäten frei und es war auch eine wirklich gute Entscheidung, denn am Anfahrtstag war die Strecke nach Lenzerheide wegen starkem Schneefall gesperrt und die Preise sind 1000 m höher auch nicht gerade preiswerter. Somit hatten wir auf dem Campingplatz Camp Au Chur (http://www.camping-chur.ch/) eine tolle Basisstation für sowohl Ausflüge in die Umgebung, als auch zum Rodeln und zum Einkaufen gefunden.

Nachdem zwei Vignetten für die Schweiz besorgt waren, der Wohnwagen mit allem beladen war, konnte der Abfahrt nichts mehr im Wege stehen. Über die A81, Grenzübergang Konstanz und weiter auf der A13 (diese Autobahn geht direkt zum San Benardino) waren wir innerhalb von 4 Stunden bereits am Ziel. Von Stuttgart sind es 311 Kilometer bis Chur. Der Campingplatz wurde von unserem Navigationsgerät sofort gefunden, aber dies wäre gar nicht notwendig gewesen, da auch in der Schweiz Campingplätze exellent ausgeschildert sind. Nach einem freundlichem Empfang wurde uns auch ein schöner Stellplatz fast direkt am noch jungen Rhein zugewiesen. Viele Möglichkeiten gab es allerdings auch nicht einen Platz zu suchen, da entweder mit Dauercampern belegt oder noch nicht freigeschaufelt. Anders als im Sommer muss der Platz nämlich je nach Bedarf freigeräumt werden. Der Campingplatz selber hat ein kleines Restaurant und einen kleinen Kiosk, jeden Morgen frisches Brot oder Brötchen und Sonntags sogar Hefezopf. Die Stromabsicherung ist vorbildlich und deutlich mehr als 10 A – nur die Duschhäuschen waren sehr dürftig – aber ausreichend – ausgestattet. Nach unseren Informationen soll das alte Sanitärgebäude bald einem Neubau weichen. Trotzdem waren die sanitären Anlagen immer sauber und das Wasser immer heiß – dies hatten wir ja auch schon anders erlebt. Auch hatten wir befürchtet, dass die nahe Autobahn zu hören sei – dies war aber nicht der Fall. Der Schnee schluckt die Geräusche und wenn man im Wohnwagen ist hört man gar nichts mehr – draussen kann man die Autobahn eigentlich auch nicht hören sondern mehr erahnen. Im Sommer wird dies allerdings wohl anders sein, dies können wir aber nicht beurteilen.

Nach der Ankunft hatten wir den Wohnwagen schnell aufgebaut und erst einmal ordentlich eingeheizt. Keine 5 Minuten später waren die Kinder schon klatschnass, nachdem sie sich im meterhohen Schnee gewälzt hatten. Nach einem gemütlichen Abendessen im inzwischen wohnlich warmen Wohnwgen kam nun für uns die erste Bewährungsprobe – die erste Nacht im Schnee. Wider erwarten lief alles ganz problemlos, wir mussten sogar mitten in der Nacht die Heizung runterdrehen, da wir sonst einen Hitzschlag erlitten hätten.

Somit stand fest: man braucht beim Wintercamping auch nicht mehr heizen als an Ostern in Südfrankreich. Unser Gas musste also reichen. Immerhin 27 kg hatten wir davon an Bord. Der nächste Morgen war herrlich: Sonnenschein kam langsam den Berg herunter (gegen 10 Uhr), blauer Himmel, viel Schnee und einen warmen Kaffee am Frühstückstisch. Duftende Brötchen muss man jetzt in diesem Gedankengang abziehen, da wir noch genügen Brot von Stuttgart dabei hatten. Es hat schon was im warmen zu sitzen und durch eine Panoramascheibe das herrliche Bergmassiv im „Sonnenaufgang“ anzusehen und dies zu manierlichen Zeiten, da die Sonne erst spät ins Tal kommt.

Die ersten Tage

Es kam ganz bitter, gleich von Anfang an hatten wir sehr tiefe Temperaturen – minus 15 Grad Celsius, aber wie bereits geschrieben kein Problem, wenigsten im Wohnwagen. Nach den ersten Ortsbesichtigungen um den Campingplatz und in Chur beschlossen wir einen Ausflug nach Lenzerheide (www.lenzerheide.ch/de/welcome.cfm) zu unternehmen, immerhin unser erstes ausgesuchtes Ziel in der Schweiz. Von Chur geht es ca. 20 Minuten stetig bergauf. In Lenzerheide angekommen waren wir froh einen Parkplatz zu bekommen. Raus aus dem Auto und gut verpackt machten wir uns bei minus 12 Grad auf eine Stadtbesichtigung. Im netten Skiort war jede Menge los und wir waren froh über unseren Standort im Tal, wesentlich ruhiger, preiswerter und wärmer, da machen sich die Höhenmeter schnell bemerkbar. Auf unserer Tour entdeckten wir einen Bäcker mit Internetterminal und den „for free“, also rein in die Bäckerei, die Kinder mit kulinarischen Köstlichkeiten vollgestopft und den zweiten Reisebericht geschrieben und verschickt. Anschließend sind wir noch ein etwas rumgelaufen, aber die Kälte trieb uns wieder ins Auto. Ab zum nächsten Ziel – die Rothornbahn, den hier gibt es angeblich eine Schlittenbahn, den sogenannten „Hasen-Run“. Die Kinder mit den Schlitten in die Gondel und ab den Berg hinauf. Die lieben Eltern in der Kälte wartend am Ende der Bahn. Und da standen wir nun, geschlagene 1,5 Stunden. Die Schlitten der Kinder liefen nach Neuschnee nicht richtig und sie mussten einen Teil der Strecke herunterlaufen anstatt zu fahren. Es war halt ein schlechter Tag für eine gute Idee.

Durchfroren kehrten wir dann in unseren warmen Wohnwagen zurück. Hier gab es warmen Tee und Kaffee anschließend dann eine warme Dusche, dann gings wieder. Den Abend haben wir dann gemütlich vor dem Fernsehgerät verbracht, immerhin war der auch das erste Mal so richtig dabei.

Tags darauf bei der gleichen Kälte fuhren wir nach Arosa. Eine spannende Strecke, kurvenreich und eng, mit extremen Gegenlicht von der tiefstehende Sonne. In ca. 40 Minuten hat man dann aber das Ziel erreicht. Arosa ist ebenfalls ein schöner kleiner Wintersportort.Mit Laufen war hier aber auch nicht viel – einfach zu kalt. Also Mama und Papa ab ins Kaffee mit einem Cappuccino „warmsaufen“ und die Kinder ab auf die Eisbahn zum „warmlaufen“. Die Sonne ging dann aber auch hier bald unter und es wurde immer frostiger, also ab ins Auto und nach Hause in den Wohnwagen.

Schlitteln, Sylvester und mehr

Nun sollte es endlich richtig den Berg hinunter gehen, ab zum zweiten Schlitteln direkt auf den Brambüesch dem Hausberg von Chur. Hier wartete eine 6 Kilometer lange Abfahrt auf uns. Bei super Wetter mit nur minus 6 Grad und strahlendem Sonnenschein. Zuerst ging es mit der Seilbahn zur

Mittelstation dem Känzeli. Hier endet die Schittelnbahn und man muss auch von der ersten Seilbahn in eine etwas kleinere umsteigen. In 4 Mann (Frau) Kabinen geht es noch ein ganzes Stück weiter den Berg hinauf. Oben angekommen bekommt man seine Schlitten, die man dann wieder ins Tal fahren muss. Die Bahn ist sehr gut ausgebaut und ein Verfahren nicht möglich. Die Abfahrt kann man als sehr gemütlich bezeichnen und sie ist auch für kleinere Kinder geeignet. Unten angekommen geht es gleich mit der Seilbahn wieder bergan. Die Abfahrt und das anschließende Hochfahren dauert übrigens 50 Minuten, man ist also ganz schön lange unterwegs für eine Runde.

Inzwischen haben wir uns mit unseren Stellplatznachbarn aus Luxemburg angefreundet und Thomas hat sie sofort zu Sylvester eingeladen, doch dann die große Enttäuschung: Sie hatten schon einen Abend mit Liveband und 6-Gänge-Menü gebucht. Also ohne Annette und Pierre alleine im Wohnwagen Sylvester feiern war angesagt, den Sekt brauchten wir auch nicht wirklich zu kühlen und nach einem gemütlichen Nachtessen haben wir sogar den Fernseher angeworfen. „Dinner for one“ musste einfach sein zu Sylvester und selbst unser Jüngster hat doch einiges verstanden, obwohl das Stück in Englisch gespielt wird. Anschließend kam noch ein Stück aus der Mäulesmühle (schwäbisches Mundart Theater), das die Kinder total begeistert hat, vor allem da in diesem Stück eine Parodie von „Dinner for one“ zu Sehen war, ab da war keiner mehr sicher vor Lachen. Als dann das Stück vorbei war und wir gerade damit angefangen hatten uns Gedanken über die weitere Abendplanung zu machen, kamen Annette und Pierre. Dort hatten sich die Gäste nach und nach verabschiedet, der Schweizer feiert wohl doch zu Hause, und bevor sie so alleine dasitzen wollten sie mit uns feiern. Gemacht getan, ich glaube es waren mehrere Flachen Sekt und die Kinder waren so gegen 1:30 Uhr im Bett, wir nicht.

Nach Sylvester hatten wir den ersten faulen Tag – ohne Unternehmungen und auch am folgenden Tag war nur Baden im Hallenbad ums Eck angesagt, vorher waren wir noch ein wenig schoppen in Chur.

Chur, Luino, Lugano und nach Hause

Nachdem wir Annette und Pierre verabschieden mussten, ihr Urlaub war zu Ende, kamen wir auf die Idee Chur zu besichtigen. Da waren wir eigentlich bisher nur im Migros zum Einkaufen und haben es doch tatsächlich geschafft die Altstadt im warsten Sinne des Wortes links liegen zu lassen. Dies wollten wir nun nachholen und es lohnt sich. Die Innenstadt der ältesten Stadt der Schweiz ist klein aber sehr nett anzuschauen mit vielen alten Gebäuden und aber auch Läden.

Nun hatten wir so viel ruhige Tage, das wir schon wieder unruhig wurden. Deshalb sind wir mal einfach Richtung San Bernadino gefahren, aber nicht über die Autobahn, sondern über die alte Strasse. Und da gab es wirklich viel zu sehen. Der Höhepunkt war das Tal Via Mala, eine tiefe Schlucht mit einem kleinen Flüßchen, das wohl bei der Schneeschmelze zum reisenden Bach wird und vielen, vielen gefrorenen Wasserfällen.

Wir merkten auch, dass der San Bernadino gar nicht weit weg von Chur ist. Deshalb, und weil Thomas nur ein „Ausland“ im Urlaub langweilig findet sind wir ab über den San Bernadino nach Richtung Italien. Der Lago Maggiore war unser Ziel. Gelandet sind wir in Luino, einem kleinen Städtchen am Lago bei 7 Grad, und diesmal plus, aber warm war es trotzdem nicht. In Luino war an diesem Tag, wie jeden Mittwoch ein gigantischer Markt, was Moni als Einzige so richtig gefreut hat. Die männlichen Familienmitglieder konnten sich nicht so richtig darauf freuen. Am Ende hat dann doch jeder etwas bekommen und wir sind rüber nach Lugano gefahren. Man fährt keine 30 Minuten über den Berg und befindet sich in mitten der Stadt. Als Erstes fiel uns eine Bergbahn auf. Sie fuhr direkt auf den Monte Brè, wunderschön und echt empfehlenswert. Den ganzen Tag hatten wir strahlenden Sonnenschein und blauen Himmel. Auf dem Monte Brè sind wir etwas herumgelaufen und haben uns einen Gipfel-Espresso geleistet. Das Restaurant / Cafe war von 1933 – das Geschirr auch. Nur die Preise waren von übermorgen – die hatten aber richtig einen Höhenzuschlag. Leider verging die Zeit viel zu schnell und für Lugano hat es dann gar nicht mehr gereicht, da die Sonne schon bei unserer Abfahrt unterging und es danach richtig kalt wurde. Also ab nach Chur in den warmen Wohnwagen.

Am letzten Tag gingen die Kinder und später auch Moni nochmal am Campingplatz baden und Rainer packte mit Moni den Wohnwagen um alles für die Rückfahrt zu verstauen. Auto nochmal waschen und tanken und den Platz bezahlen. Kosten dafür 350 EUR für 11 Tage, für schweizer Verhältnisse eine günstige Art im Skigebiet zu übernachten.

Die Heimfahrt ging sehr schnell, wir brauchten 3 Stunden 45 Minuten bis nach Stuttgart vor die Haustüre und da war er vorbei, unser erster Winterurlaub im Wohnwagen.

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