Wieder mit dem Wohnwagen durch die Provence

Das Einzige was richtig gut geklappt hat, war der Wohnwagenumbau während unseres AIDA-Urlaubs. Wir haben jetzt einen Mover, d. h. der Wohnwagen fährt mit Fernbedienung auf seinen Stellplatz. Eigentlich Luxus pur, aber dieser war notwendig nach Rainers Wirbelbruch. Ansonsten war der Start wieder richtig zäh. Thomas und Rainer in der Endphase ihrer AIDA-Grippe und Moni noch mittendrin. Somit wurde Thomas zum Beifahrer, Moni hinten ins Auto gelegt und das erste Ziel in der Nähe herausgesucht. Unsere Tour begann mit einem Besuch bei Swaran in Luzern. Hier kam das nächste Problem auf uns zu. Ein Open Air Festival direkt neben unserem Stammcampingplatz in Luzern machte diesen erstens voll und zweitens hatten wir keine Lust in unserer Verfassung die ganze Nacht brüllend laute Musik zu hören, schließlich brauchte vor allem Moni viel Ruhe. Ein weiterer Platz war wegen des vielen Regens der letzten Tage nicht befahrbar und somit landeten wir in Horw, ca. 5 km außerhalb von Luzern, direkt am See und traumhaft ruhig gelegen. Dann bemerkten wir, dass unsere Klospülung nicht mehr tat – die Pumpe hatte sich festgefressen. Eine Stunde später – nach dem das ganze Klo zerlegt war hat sie Rainer wieder zum Laufen gebracht.
Nach dem Aufbau gings zum Mittagsschlaf und anschließend zu Swaran zum Abendessen – eigentlich wie auf der AIDA – übrigens bei super sonnigen 28 Grad Celsius. Am nächsten Tag war Erholung pur angesagt. Pilatus & Co kommen halt einfach ein anderes Mal dran. Thomas ging ins Seebad und wir dösten vor dem Wohnwagen. An Ausflüge war einfach noch nicht zu denken und der Campingplatz bot mit seinem Schweizer Bully (VW-Bus)-Treffen genug zum Schauen. Der Älteste war immerhin von 1963 und hatte noch nicht einmal eine Schiebetür, sondern zwei Klapptüren und die Frontfenster waren damals auch noch ausstellbar. An einem Modell von 1967 wurde direkt vor unserem Wohnwagen der Motor gewechselt, auch dies war sehenswert. Immerhin lief er danach auch wieder.

Fit genug für den nächsten Stopp ging es nun 100 Kilometer südlich von Grenoble nach Lus-la-Croix-Haute, einem kleinen Bergdorf an der Route Napoleon. Bei guter Bergluft und angenehmen Temperaturen wollten wir hier noch ein bisschen Kraft für die nächsten Tage tanken und für Thomas kam das Freibad direkt neben dem Campingplatz (Champ de chévre – www.campingchamplachevre.com) gerade recht. Die Landschaft war wunderbar und wir fuhren in die Berge und wanderten ein paar Meter durch eine Klamm. In einem fast ausgetrockneten Flussbett und in der Klamm suchten wir nach Steinen mit Versteinerungen. Unsere beachtliche Sammlung erwies sich allerdings nach dem Zerlegen als wertlos. Nichts gefunden.
Weiter gings nun Richtung Süden nach Aix-en-Provence. Hier sind wir schon oft vorbeigefahren, aber zu einem Stopp hat es nie gereicht. Jetzt wollen wir die Stadt von Paul Cézanne erkunden. Erst einmal haben wir einen kleinen und urigen Campingplatz ca. 8 km außerhalb der Stadt angefahren – Camping Sainte Victoire in Beaureceuil. Übrigens mit direktem Blick auf die Montagne Sainte Victoire, die Paul Cézanne so oft gemalt hat. Hier gibt es ein Trampolin für Thomas, Internet für Rainer und Monika und viel Ruhe. So ganz sind wir immer noch nicht auf dem Damm. Der Husten will einfach nicht verschwinden – mit allen Begleiterscheinungen. Hier auf dem Platz gibt es ein Solarium (Liegewiese), die direkt an einem kleinen Bach liegt. Es lockt zum Ausprobieren, nicht zum Schwimmen, aber zum Plantschen. Mal sehen …

Wieder einmal an der Küste – die Côte d’Azur

Aix-en-Provence erlebten wir bei 38 Grad. Durch die engen Gassen der Altstadt ging dann auch kein Wind und wir hatten uns die Stadt auch irgendwie anders vorgestellt – einfach historischer, einfach mehr römischer. Trotzdem war es ganz nett, aber die Hitze zollte ihren Tribut und wir fuhren nach 4 Stunden wieder zurück zum Campingplatz, hielten aber auf dem Heimweg noch an einem Fischstand um unser Abendessen einzukaufen (zwei Doraden Royales und einen Bar).

Nachdem nun der nächste Morgen bewölkt war zogen wir weiter ans Meer, nach Six-Fours-les-Plages. Bereits der Weg zum Platz war sehr eng und an der Rezeption wurden wir sofort von einer Dame aus Ulm angesprochen, ob wir einen besseren Platz kennen würden. Hier hätten unsere Alarmglocken losgehen und wir sofort umdrehen sollen. Der zugewiesene Platz war schlecht erreichbar und selbst mit dem Mover brauchten wir 15 Minuten bis der Wohnwagen drin war. Durch Zufall bekamen wir den Platz neben der Dame aus Ulm und ihr er Familie, luden sie vor der Abfahrt noch zu einem Kaffee ein und empfahlen ihnen einen Platz in La-Londe-les-Maures. Thomas hatte sich sofort mit Ian aus Ulm angefreundet und war ganz enttäuscht, dass bereits eine Stunde später die neuen Freunde loszogen. Nun war er wieder das einzige deutsche Kind am Platz und der gefiel uns allen trotz Schwimmbad nicht. Beim Abendessen in Sanary-sur-Mer, ein Restaurant direkt am langen Strand und sehr empfehlenswert, erreichte uns eine SMS von den Ulmern, dass unsere Platzempfehlung super war und wir hängten am nächsten Morgen wieder an und siedelten auf den Campingplatz Le Pansard in La-Londe-les-Maures um, ganz in der Nähe zu den Ulmern Ian, Kjell, Wibke und Andy. Somit hatte Thomas einen Kumpel, Moni ihr Meer und Rainer seine Ruhe – einfach Urlaub. Trotz der reizvollen Umgebung von La Londe (Hyeres, Bormes-les-Mimosas und Le Lavandou) blieben wir bisher nur auf dem Campingplatz. Baden im Meer und bis spät abends zusammen sitzen mit den Stellplatznachbarn aus Waldenbuch und unseren Ulmern reichte uns vollkommen aus den Tag zu füllen.

Ian und Thomas hatten sich in der Zwischenzeit mit Eigeninitiative sogar einen privaten Surflehrer (Markus, ca. 14 Jahre alt und auch ein Stellplatznachbar) gemietet, ausgemachter Lohn 5 EUR die Stunde und pro Kind. Jetzt übten sie fleißig das Surfen. Gar nicht so einfach, wie es aussieht, stellten dann auch beide fest. Am nächsten Tag war so viel Wind (Mistral), dass ein Surfen für Anfänger unmöglich war, dann wieder war so wenig Wind, dass es auch keinen Sinn machte. Aber immerhin gelingt ihnen schon ein kurzes Fahren und eine kleine Wende …

Einkaufen im Grand Var (Rieseneinkaufszentrum) in Toulon musste dann auch noch sein. Rainer hat sich zähneknirschend zu einer Fahrt dorthin überreden lassen. Moni hatte Gela aus Waldenbuch vom Kleiderladen KIABI vorgeschwärmt, der auch große Größen habt. Daraufhin machten wir aus, dass wir doch mal dort vorbeischauen wollten. Es war ein überaus erfolgreicher Einkaufstag, sehr zum Leidwesen von Rainer. Danach haben wir noch im Supermarkt kiloweise Fisch für die Soirée Barbecue am Abend eingekauft. Das hat Rainer wieder besänftigt.

Die Tage in La Londe vergingen viel zu schnell und Thomas war bei der Abfahrt ziemlich in Trauer aber wir wollten uns aber noch mit Bekannten aus Erding in Fréjus treffen uns fuhren auf den Campinplatz „Domain de la Bergerie“ in Roquebrunn nahe Fréjus und fanden genau gegenüber unseren Erdingern vom letzten Jahr (Vincent, Waltraut, Günther und deren Urlaubsleihkind Timo) einen Stellplatz. Statt Badelandschaft mussten wir aber nach der Ankunft erst einmal den Wohnwagen grundreinigen. Bei der Fahrt hatte sich eine Klappe geöffnet und Essig, Öl, viel Zucker, Marmelade nebst Honig bildeten eine einheitliche Masse auf dem Boden. Nach anderthalb Stunden war das Problem aber gelöst bzw. geputzt und wir im Wasser. Nach einer Show und einem Absacker ging es dann spät ins Bett.

 

Ab ins Krankenhaus

Die drei Tage in Roquebrune vergingen wie im Fluge. Die Erdinger machten sich am Sonntag auf den Heimweg und wir nochmals auf nach La Londe, damit Thomas noch ein wenig surfen konnte. Nach einer zähen Fahrt an der Küste entlang ging es dann auch sofort ins Wasser. Am Abend beschloss Rainer noch um 21:30 Uhr duschen zu gehen und die Katastrophe passierte auf dem Rückweg zum Stellplatz. Auf einem unbeleuchteten Teil des Platzes (kürzester Weg) übersah er einen Blumentrog (ca. 1,5 x 50 x 50) und flog im hohen Bogen erst drauf dann drüber. Resultat: 2 offene, aufgeschlagene Unterschenkel, eine Rippenprellung und ein mehrfach gebrochenes linkes Handgelenk.

Also ab ins Krankenhaus von Hyeres. Die Notaufnahme dort kennen wir schon, wir waren ja jahrelang an Ostern in La Capte – und da durften wir schon zwei Mal am Wochenende hin. Es ist eben das einzige Krankenhaus in der Gegend.

Nach 24 Stunden mit Morphin war klar, dass Rainer in Hyeres operiert werden musste und es nicht in ein deutsches Krankenhaus schaffte. Jetzt können wir sagen, obwohl das Krankenhaus von Hyeres einen guten Ruf genießt, – immerhin werden täglich mehrere solcher Brüche dort behandelt es leben die Windsurfer – dass das Essen bescheiden ist und der hygienische Standard viel mehr einem Campingplatz als einem Krankenhaus entspricht. Bei uns wäre es auch unvorstellbar, dass dort immer alle Zimmertüren aufstehen, auch dann, wenn Patienten gewaschen werden. Immerhin durfte Rainer nun am Mittwoch also 48 Stunden nach der OP wieder raus und auf den Campingplatz. Inzwischen ist auch klar, dass wir von Timm, einem ADAC-Fahrer, am Samstag abgeholt werden und somit im eigenen Auto und mit Wohnwagen nach Stuttgart kommen werden. Hier hat der ADAC alles super organisiert. Sogar im Krankenhaus hat eine Ärztin vom ADAC erst mit dem Chirurgen und dann mit Rainer telefoniert um sich er zu stellen, dass der Patient den Befund vom Arzt auch wirklich richtig verstanden hatte. Wir genießen nun die letzten Tage bei 30 Grad am Meer und lassen uns am Samstag um 9:00 Uhr nach Hause fahren.

In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch (Rainer lag noch im Krankenhaus), ging ein Unwetter über die Küste hinweg. Ein oder mehrere heftige Gewitter mit Sturm und sinnflutartigen Regenfällen. Einige Zeltcamper hat es übel erwischt. Sie hatten zum Teil 10 cm Wasser im Zelt stehen und viele sind am Mittwoch, nach dem Trocknen der Zelte und Klamotten, abgereist. Wir im Wohnwagen sind glücklicherweise ohne Verluste davongekommen. Ansonsten waren die drei Tage ohne Rainer auf dem Campingplatz ereignislos und geprägt von der Fahrerei ins 20 km entfernte Krankenhaus.

Wieder in Stuttgart

Nach den letzten herrlichen Sonnentagen kam auch der Fahrer vom ADAC, und dies bereits am Freitag, an. Er hätte eigentlich in Toulon-La Garde übernachten sollen, zog es aber vor erst bei uns in La Londe vorbei zuschauen. Wir besorgten ihm eine Übernachtungsmöglichkeit in einem Mobilhome auf dem Campingplatz und er ging dann am Nachmittag mit Thomas und Moni schwimmen. Anschließend luden wir ihn zum Muschelessen auf dem Campingplatz ein und wir hatten einen supernetten Abend mit vielen spannenden Geschichten von Rückholaktionen.

Am nächsten Morgen frühstückten wir dann noch gemütlich vor dem Wohnwagen und fuhren wie geplant los. Vor allem für Rainer war es ein seltsames Gefühl nicht Herr über das Gespann sein zu dürfen. Nach einer ausgiebigen Mittagspause bei Valence (Tische und Stühle mitten auf der Raststätte), ging es dann weiter in Richtung Norden. Die Nacht verbrachten wir in Selestat auf „unserem“ Bauernhof, aßen dort noch Flammkuchen und Moni fuhr dann Timm, unseren Fahrer, noch ins Hotel. Am Sonntag begrüßte uns gegen 13 Uhr Stuttgart wieder.

Ein wirklich toller Service des ADACs und mit Auslandsschutzbrief war, bis auf Tank- und Mautgebühren, alles im Mitgliedsbeitrag enthalten. Wir sind vom Automobilclub und seiner schnellen und unbürokratischen Hilfe auch im Ausland nun restlos überzeugt.

Nachtrag: Am Montag war Rainer noch in Stuttgart im Katharinenhospital und der dortige Arzt war voll zufrieden mit der Arbeit der französischen Kollegen. Nach den doch teilweise katastrophalen Bedingungen im Krankenhaus von Hyeres war also wenigstens die handwerkliche Arbeit des Chirurgen gut.

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